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Joan Stephan
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Joan Stephan  (Porträt)

erschienen in:

QUADRAT NR. 03

Ausgabe: Mai 2009

Rubrik: Kultur, Künstlerporträt

 

 

Licht und Farbe

Eine Künstlerin zwischen Lüneburg und Portugal

 

Es gibt Kunst, die sich erklären lassen will. Und es gibt jene, die sich ganz ohne Interpretationsanleitung ihrem Betrachter erschließt.

Joan Stephans Arbeiten darf man als gefällig bezeichnen, und dies im positivsten Sinne. Sie sprechen barrierefrei an, lassen schauen, hineinschlüpfen, sich selbst, Neues und Altbe kanntes entdecken. Realistische Momentaufnahmen aus dem Lebensraum einer Künstlerin.

Noch in den 70er Jahren fühlte sich Joan Stephan während ihres Studiums ein wenig fehl in der damaligen Kunstszene.

Mit ihren realistischen Arbeiten hob sie sich aus der Masse heraus, fand sich nicht in dem in Mode gekommenen Nonkonformismus wieder, in diesem unbedingten Anspruch an das Aufrührerische.

Ihre Bilder sind bis heute Objekte, an denen sich das Auge weniger stößt, als dass es umschmeichelt wird.

Bunt wäre hier das falsche Wort. Vielmehr präsentieren sich ihre Bilder licht und sonnen durchflutet, mit einer unterschwelligen Zartheit, die von kraftvollen Farbtönen und einem sehr konkreten Pinselstrich dominiert wird. 

Das große Format ist ihr Medium, auf welchem sie Gesehenes umsetzt. Meist gehen dem Endprodukt schnelle Skizzen auf Papier voraus oder Fotografien, die irgendwo im Vorübergehen entstanden sind. Der Akt des Malens geschieht schließlich vom Zentrum der Leinwand aus. Mit leuchtenden Acrylfarben, lasierend übereinander

gesetzt, arbeitet Joan Stephan den äußeren Grenzen entgegen.

Zuweilen erzeugt sie durch die Farbschichtungen den Eindruck einer Pastosität, wie sie sonst nur in der Ölmalerei zu finden ist. Erst dann folgt der Hintergrund. 

Strandansichten, Landschaftsausschnitte, Architektur, Architektur mit Menschen, Menschen – immer wieder sind sie es, denen Frau Stephan von Neuem ihre Aufmerksamkeit schenkt, bei ihren alltäglichen Verrichtungen, beim Flanieren, stehend, versunken – ein Schnappschuss hinein ins Alltagsleben. Dieses große Thema in all seinen Abwandlungen packte die gebürtige Schleswig-Holsteinerin bereits während des

Studiums, in welchem sie sich ganz dem Porträt widmete, als Zeichnung und in der Plastik.

Nicht fotorealistisch abbilden wolle sie. Vielmehr ist es die subjektive Interpretation des Originals. So gleicht sie häufig nachträglich die Licht- und Farbverhältnisse an, setzt lichte Höhen und Schatten und gibt dem Bild so die so signifikante sonnige Note.

Vielleicht ist ihre alte Heimat schuld an diesen wunderbaren „Schönwetterbildern“, an der Lebensfreude, die aus ihnen spricht: Die Malerin lebte acht Jahre samt Ihrer Familie in Lissabon und infizierte sich dort vermutlich mit dem Sonnenvirus, der sich nun so wohltuend auf ihre Kunst niederschlägt. Jedoch rückte sie die verbreitete Mär vehement zurecht: „Auch in Portugal arbeiten die Menschen viel und sind nicht unbedingt weniger gestresst als in Deutschland. Bei 3.000 Sonnenstunden im Jahr findet wesentlich mehr Leben im Freien statt, selbst in der kühleren Jahreszeit. Für viele Portugiesen unumgänglich, da die älteren Häuser oft nicht mit einer Zentralheizungen ausgestattet sind. So trinkt man manchen Kaffee dann lieber am Strand in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen oder auch schon mal im Pkw mit Blick auf das Meer.“

Seit 2001 lebt und arbeitet Joan Stephan nun in Lüneburg, einer Stadt, wie sie selbst sagt, die ihr viel „Stoff“ für neue Bilder liefert. Auch hier sind es die Menschen, allein, in Gruppen, auf die sie ihr künstlerisches Augenmerk legt. Aber auch die Architektur, die ansprechenden baulichen Situationen ihrer neuen Heimat.

Auch diese Stadtansichten im doch eher kühlen Norden versieht sie mit dem sonnigen Licht Portugals, ihrem Stilmittel. Eingefangenes Licht für die eigenen vier Wände.

Wer neugierig geworden ist, kann einige ihrer Exponate in den Praxisräumen der Internisten Dr. med. Oliver Struck und Dr. med. Christian Gade, Bei der St. Johanniskirche 12sehen oder direkt auf der Internetseite der Künstlerin unter www.joanstephan.de. (nm)

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Hamburger Abendblatt  16.12.2010

Bilder des Lichts 

Wie die Malerin Joan Stephan ihre Stadt porträtiert

Die Atmosphäre der alten Salzstadt lebt nicht nur in ihren Bildern, in ihren Motiven ist das Licht Zuhause. Das Licht auf dem hölzernen Ewer am Stint, die Sonne in den Blättern der Trauerweide am alten Kran, Lichtreflexionen auf der Ilmenau am alten Hafen. "Meine Bilder sollen schön sein", sagt die Malerin Joan Stephan.

Die Welt mit ihren Bildern verändern will sie nicht. "Es geht einfach darum, die sonnigen Seiten des Lebens zu zeigen", sagt sie. Momentaufnahmen malt sie, Menschen eingefangen in ihrer jeweiligen Situation und im Augenblick - in der Lüneburg-Kulisse wirkt das eben oft idyllisch.

Kunst studiert hat Joan Stephan an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg. Ihren Stil gefunden hat sie dann in Portugal, wo sie acht Jahre mit ihrer Familie lebte, bevor sie Lüneburg zu ihrer Wahlheimat erkor.

Ganz einfach war der Neustart in Deutschland nicht. "Es wartet ja niemand darauf, dass man hier heimisch wird. Freunde, Bekannte, Kollegen - diesen Kreis muss man sich erst erarbeiten. Die Umstellung auf das Leben hier war am Anfang nicht leicht", sagt sie. Kontakte zur Kunstszene gab es noch nicht, die mussten sich erst ergeben. "Die Galerie Mondmann am Stintmarkt war mein erster Anlaufpunkt, dort habe ich auch zum ersten Mal ausgestellt. Nur kam zu meiner ersten Vernissage kein Mensch", erinnert sie sich.

Inzwischen hat sie viele Kontakte geknüpft - zu Jan Baylon und zu Swantje Crone beispielsweise. "Wir unterstützen uns gegenseitig", sagt Joan Stephan. Auch das Galeristen-Urgestein Hans-Jürgen Meyer war einer, der sie in Lüneburg ein Stückchen heimischer gemacht hat - mit einem guten Ratschlag: "Wenn Sie in Lüneburg Bilder verkaufen wollen, müssen Sie Lüneburg malen", gab er ihr mit auf den Weg. "Da hatte er natürlich Recht", sagt Joan Stephan. So begann die Arbeit an den Lüneburg-Motiven: Die Kirchtürme im schmalen Hochformat, Touristen am Wasser der Ilmenau, der lesende Mann vor dem Café Mondmann.

Was der Stadt noch fehlt, ist ein Zentrum für Gegenwartskunst, die Möglichkeit für Künstler, einander zu treffen, auszustellen und sich auszutauschen. Deshalb beteiligt sich Joan Stephan an der Initiative KIS (Kunst im Zentrum) von Kurt Bader, Jan Baylon und Hubertus Heinrich. Die Drei möchten die alte Musikschule An der Münze als offenen Treff für Theater, Musik, Malerei und Literatur nutzen und damit in der Innenstadt ein lebendiges Forum für die freie Kunstszene schaffen. "Es wäre einfach gut, wenn da etwas in Gang kommt - auch für die Atmosphäre in der Innenstadt wäre es gut", so Joan.

Gerade hat sie in Stade im Schleusenmuseum ausgestellt, im Februar folgt eine Ausstellung in Itzehoe. In Lüneburg sind ihre Bilder derzeit in einem Eiscafé in der Schröderstraße und in einer allgemeinärztlichen Gemeinschaftspraxis Hinter der St. Johanniskirche zu sehen. In ihrer Wahlheimat sind Ausstellungsräume leider knapp, doch auch in "Annas Café" konnte man schon einiges von ihr bewundern. Am Kunstpfad Goseburg hat sie sich auch beteiligt. "Nur war leider im vorigen Sommer das Wetter schlecht", erinnert sie sich. Und da sei Kunst unter freiem Himmel natürlich ein Wagnis.

Auch im Süden malt Joan Stephan gern. "Beobachtungen im Urlaub sind oft der Anlass, neue Motive zu entwickeln. Da kann ich in Ruhe zusehen, was um mich herum geschieht, zum Beispiel am Strand. Strandszenen in Fuerteventura fallen ganz anders aus als in Portugal", sagt Joan Stephan. Porträts gibt es dagegen von ihr selten. "Da hat die Fotografie der Malerei den Rang abgelaufen", sagt sie. Aber andere Motive bietet das Leben zwischen Backstein und dem Wasser der Ilmenau in der alten Salzstadt ja auch noch mehr als genug.

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